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Michael Harbauer

 

Michael Harbauer

Promiparaden der "Berlinale" irritieren Jahr um Jahr, was freilich für allen deutschen Festivalrummel der Film- und Kino-Gegenwart gilt. Ein bisschen Premierentrubel muss sein, Kinomacher und Publikum brauchen Verständigung über Werte und Wirkungen: Aber höchste Vorsicht ist geboten, wenn der Rummel überbordet und der Boulevard nicht mehr durchschaubar ist. Da braucht es behutsamer Hände, die der Kunst des Zuschauens kundig sind und junge Hinschauer genussfähig in Entdeckerlust begleiten können. Richtige Schlingel müssen das sein, mit List und Witz und Willen. Wie in Chemnitz.
In der allezeit filmtüchtigen Stadt mit Traditionen von Seeber bis Luxor-Magazin, von Nationalem Spielfilmfestival bis zu den Kinderfilmfesten der Stadthalle und den oft streitbaren Dokumentarfilmwochen war auch im DDR-Konkurs Humus zurückgeblieben, Kinolust und Medienfanatismus, der auf unbegrenzte Entfaltung drängte. Michael Harbauer war ein sorgfältiger Erwäger, die kommerziellen Möglichkeiten im Spielraum der Förder- und Sponsoringtöpfe herauszufordern, Kommerz und Bildungsauftrag der neuen Kinowelten auf das Filmzentrum an der Chemnitz zu fokussieren und benachbarte Festivals (wie die Leipziger Dokfilmwoche oder die Spektakel am Dresdner Elbufer) auf spezielle Weise auf Augenhöhe zu ergänzen. Es ist ja weltoffen genug, wenn der "Schlingel" anfangs als Chemnitzer Kinderfilmschau und bald schon als "Internationales Filmfestival für Kinder und junges Publikum" firmiert.
Michael Harbauer, der Schlingel-Erfinder, begann 1990 für fünf Jahre als Filmotheksleiter des damals taufrischen Landesfilmdienstes Sachsen in Chemnitz, zuerst im alten "Volkshaus" und bald in Nachbarschaft zum CineStar Luxor. Zugleich blieb er Geschäftsführer des Sächsischen Kinder- und Jugendfilmdienstes e.V. und brachte dann mit Sylvia Zimmermann das Filmfestival für Kinder und junges Publikum zur Welt. Seither arbeitet das Team um Harbauer nun Jahr um Jahr an dem guten Ruf des "Schlingel" und als wir den Festivalmacher für diese Zeilen interviewen wollen, haben wir ihn in Malmö am Ohr, unterwegs in aller Welt als Filmkundschafter.
Für die nächsten Festivaltage im Herbst sind die Messen weit vor Ostern gelesen. Sieben Jurys sichten und werten und urteilen, alle Absprachen sind längst in Sack und Tüten. Nur die Meldungen zum Ende des Luxor machen Sorgen. Doch Schlingel bietet die Stirn! Chemnitz bleibt Festivalstadt.
Auch wegen Michael Harbauer, geboren 1969 als Sohn des promovierten Berufsschullehrers und späteren CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Peter Harbauer aus Schlema. Denn der Pädagogensohn hat gewisse Gene in sich, als nachgekommenes Geschwisterkind obendrein. Hinzu kam der frühe Umgang mit dem "perforierten Zelluloid", wie noch vor ein paar Jahrzehnten die Kinofilmfreunde die gebräuchliche Anrede in Klubs, Zirkeln und Freundeskreisen erheitert duldeten. Da gab es noch kaum Magnet-aufzeichnungen, keine elek-
tronische und gar kombinierte Bild-Ton-Wiedergabe. Lippensynchronität war Luxus. Und Michael Harbauer kennt aus seiner erzgebirgischen Kindheit diese Wunderwelt Film im spielerischen Umgang, also prägend im höchsten Maße. So einer kommt da nicht los.

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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