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Michael Morgner

 

Michael Morgner

Existenzbilder

In der Hitze der Gußpfannen werden Morgners Skulpturen Form und Fanal. Man sieht sie an besten Plätzen am Main-Ufer, man findet sie als Stadtzier und Metapher in seiner Chemnitzer Heimat - "Spannung" am Energieversorger EnviaM zwischen Glasfront, Wasser und Steuerungsvorfahrt, "Reliquie Mensch" dank Kulturinvestor Schmidt-Bank im Innenhof des Chemnitzer Neubaus an den Stadtdominanten: "4,5 Tonnen Stahl, archaisch mit der Hand aus 8 cm dickem Blech gebrannt," erinnert sich Morgner, "einer der schönsten Momente meines künstlerischen Lebens, als am Haken eines riesigen Autokrans meine erste Großplastik über den Neubau der Schmidt-Bank schwebte und anschließend zentimetergenau auf dem Sockel im Innenhof landete." Faszination Rost.
Seit 1973 ist Michael Morgner in der Stadt "auffällig". Künstlerisch. Zuvor war der Arztsohn jedoch ebenso auffällig, wie Abiturnahe eben sind, werden oder bleiben. Fast obligatorisch bei den DDR-Kunstausstellungen in Dresden vertreten, bald schon bei seinen Ausstellungen mit Reisepass auch international. Prägend gewiss die Chance, dabei in Person des Rektors der Hamburger Kunsthochschule, Carl Vogel, mehr als offene Sinne gefunden zu haben.
Wenn es die Finanzkraft des Auftraggebers erlaubt, beherrscht Morgner auch das große Format im schwierigen Terrain: Weitleuchtend die Eingangszone des Gießerei-Neubaus in Wittgensdorf, nach langem experimentieren 1980 vollendet, als es noch die neue Rudolf-Harlaß-Gießerei mit VEB-Signet geben konnte. In dieser Zeit hatten oppositionelle Künstler ihre Illusionen hinter sich gelassen, ein Kerl wie Morgner gewann das Format, sich aus dem Künstlerverband der DDR (VBK) zurückzuziehen und eine Teilnahme an der X. DDR-Kunstausstellung zu verweigern. Das war er wohl auch den Leuten schuldig, die sich in Brigadetreffs zu seinen Kunstwegen, seinen Metaphern und Zeichen äußerten, bei Heckert, Barkas, dem 8. Mai, bei der damaligen TH.
Michael Morgner mit einer Silbe auch in der legendären Gruppe Clara Mosch zu entdecken - im Initial-Bereich wie Carlfriedrich Claus im Vornamen - bleibt in der Kulturgeschichte seines Heimatlandes auf Dauer eine Delikatesse, selbst wenn der letzte verwundert-ungläubige Nachgeborene sich nicht mehr die Performances-Angst der Machtschützer vorstellen kann. Denen aber sei der TV-Film "Clara Mosch oder die schöpferische Zersetzung" aus dem Jahre 1992 (Bayerischer Fernsehpreis) zur Rezeption empfohlen, der als Dokumentation bewahrt, wie die Clara-Mosch-Crew mit ihrer staatsbewachten Unbekümmertheit - nun in Freiheit vom Regime - in Wort und Geste umgehen kann. Mosch, Clara, Geburtsjahr 1977, Geburtsort Adelsberg, dank einer Thomas-Ranft-Idee.
Entdeckbar ist Morgner selbst in den höchsten Neubau-Etagen des Berliner Regierungsviertels. Während Carlfriedrich Claus' Aurora-Zyklus in der Nordhalle des Bundestages seinen Platz hoch oben gefunden hat, ist im benachbarten Marie-Elisabeth-Lüders-Haus Morg-ners Grafik-Zyklus Raum gegeben. Erworben für die Sammlungen des Bundes ist nunmehr "M. überschreitet den See bei Gallenthin" zu sehen. Zum Kunstwert gesellt sich die Werkgeschichte dieses Spektakels anhand der immensen Observationssorge des DDR-Geheimdienstes MfS. Man erfährt davon auch dank Morgner jetzt am Spreebogen, dem "Band des Bundes". "Ich kann eigentlich nur vernünftige Bilder machen, wenn diese dann an vernünftigen Stellen gezeigt werden", sagt er, der seit Gründung 1996 zu den Mitgliedern der sächsischen Akademie der Künste zählt - berufen von Kurt Biedenkopf. "Wir sind anders aufgewachsen, das wird man nicht wieder los," sagt er. Die Furcht, in den Kontext "systemstabilisierender Nettigkeiten" gestellt zu werden, möge er sich bewahren. Sie darf Schule machen.

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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