• St. Pauli Kirche
  • Johannisplatz
  • Gast. Sechsruthen in Glösa
  • Markthalle
  • Bismarkschlösschen
  • Burg Rabenstein
  • Nicolaibrücke
  • Wanderer
  • Tietz
  • Johanniskirche
  • Becker & Schraps
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Prof Harry Wuensche

 

Prof. Dr. Dr. Harry Wünsche

Harry Wünsches Spezialgebiet ergab sich aus der deutschen Nachriegssituation. Die beiden deutschen Staaten galten fortan als Subjekte des Völkerrechts, unterwarfen sich sofort und zwangsläufig der Charta der Vereinten Nationen, um ihre Rechtsbeziehungen zu koordinieren. Da war Harry Wünsche gerade 20-jährig und hatte die Kollisionen der ehemals Alliierten auch in den Zeitungen tagtäglich vor Augen. Wünsche wuchs im Osten zu einem Rechtswissenschaftler, dem vielleicht im Westen Deutschlands Dietrich Murswiek-Freiburg oder dessen Lehrer annähernd ebenbürtig war, Hermann Mosler Heidelberg etwa. In der langen Zeit der "besatzungsrechtlichen Provisorien" seit 1949 war viel Rechtsstreit im Gange, bis Anführungszeichen entfielen und völkerrechtliche Anerkennung Einzug hielt, bis zwischen Recht und Unrecht nach Gefechtslage entschieden werden konnte: "Jeder Staat ist eine historische Individualität und damit gegenüber einem anderen nur sehr begrenzt vergleichbar", äußert sich der Schweizer Professor Huber.

Harry Wünsche, der Chemnitzer und Absolvent der Karl.Marx-Oberschule, war Präsident der Gesellschaft für Völkerrecht in der DDR in den Jahrzehnten vor 1990, danach Sachwalter des finanziellen Vermögens der "Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft", das nach allgemein zugänglichen Quellen bis zum DDR-Konkurs noch sechs Millionen zahlende Mitglieder mit ihren Beiträgen allmonatlich gemehrt hatten und das in einmaliger Weise in die neue Rechtsform der Stiftung "West-Östliche Begegnungen" überführt werden konnte. "Mehr als zehn Jahre lang hat Professor Wünsche als Vorsitzender des Kuratoriums das Profil und die Arbeit der Stiftung geprägt, ihr seine Kompetenz und seine Erfahrung zur Verfügung gestellt und sie bis in die letzten Tage seines Lebens hinein engagiert und mit großer Aufmerksamkeit begleitet", heißt es in seinem Nachruf. 1965 war Wünsche zunächst Generalsekretär zwischen 1973 und 1990 Präsident der "Gesellschaft für Völkerrecht in der DDR", just also in jenen Jahren, da die Anerkennungswelle im Resultat der KSZE-Konferenz von Helsinki zur Errichtung zahlreicher Botschaften der DDR in aller Welt und ebenso ausländischer Vertretungen in der Hauptstadt der DDR eine frische Situation der Öffnung brachte: Nur für die Beziehungen der zwei deutschen Staaten musste eine spezielle Form des diplomatischen Umgangs gefunden werden, um - so und nicht anders - dem Völkerrecht im Gefolge der Kriegsresultate und der Siegerprotokolle von Jalta und Potsdam zu entsprechen. Walter Hallstein hatte dagegen beizeiten eine Doktrin für Konrad Adenauers Westbindungspolitik formuliert, die erst mit jener Helsinki-Akzeptanz ins Verglimmen gebracht werden konnte: 1990, also mit der 2+4-Konferenz, um es einmal völkerrechtlich zu sagen, kam eine Stunde Null, kamen die freiheitlich-rechtsstaatlichen Normen durch den Volkskammerbeschluss vom 31. August 1990 zum tragen - ein Vorgang, den der Völkerrechtler Harry Wünsche jenseits tagespolitischen Kalküls konsequent in seinen Schriften und Lehrämtern beschrieben und fixiert hatte - schließlich will ihm sicher niemand den Rang ablaufen, die Ausbildung aller Diplomatenjahrgänge des DDR-Außenministeriums geprägt und solche Fachleute gebildet zu haben. Ein Chemnitzer!

Als Völkerrechtler kannte er sich mit Sicherheit bestens aus im vielbeschworenen Selbstbestimmungsrecht der Völker. Ob Wünsche ein Fanatiker war, kann er nicht mehr entkräften. Die Antwort findet sich in seinen Urteilen und Schriften. Im Staatsverlag der DDR erschienen 1979 und 1983 Standardwerke Wünsches zu den Vereinten Nationen, die noch heute in den Magazinen der Stadtbibliothek verwahrt sind: Fehleinschätzungen finden sich eher im Vorwort und in einer Wortwahl, die stärker den Erwartungen der Autoren als den heraufziehenden Realitäten beim Beherrschen des Ost-West-Konflikts mit zu schwachen Instrumentarien geschuldet sind. So bleiben sie bis heute ein Lehrbuch der internationalen Politik, speziell im Umgang mit den Möglichkeiten der EU, Lehrbücher der Demokratie.

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

Joomla 3.0 Templates - by Joomlage.com