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Rainer Heumann

Rainer Heumann

Bankierssohn und literarischer Agent

Zur Kindheit Rainer Heumanns gehörten die Straßenzüge des vorderen Kaßbergs. Er wuchs am Stephanplatz, Reichsstraße 10, auf, nahe der Synagoge, im Klima einer wohlhabenden, kunstsinnigen Familie, die das Bankhaus Bayer & Heintze führte. Vater fungierte zugleich in konsularischen Diensten. "Das bewahrte die Familie vor einem Schicksal, schlimmer als Tod oder der Zwang zu emigrieren," summierte Sabine Ibach im Nekrolog am Grabe Heumanns.. "Rainers Familie war sehr kulturverbunden. Bücher und Bilder gab es im Überfluß." Seines Vaters Interesse habe der deutschen Kunst der Romantik gegolten, und bis heute sei seine Sammlung ein Begriff für Experten weithin. "Der Hauptanteil dieser Sammlung überstand den Krieg auf Speichern, aber Carl Heumann starb bei einem Bombenangriff der Alliierten bei dem Versuch, einige noch im Haus verbliebenen Werte zu retten." Rainer Heumann, dessen Porträt wir heute hier veröffentlichen, war zu jener Zeit deportiert, überlebte in einem Harzer Arbeitslager. Im scharfen Grenzregime der Zonenzeit gelang es ihm "in vielen gefährlichen Missionen", Bruder und Schwester in die USA-Zone zu schleusen und gemeinsam "auch des Vaters wertvolle Kunstsammlung zu retten". In gleicher beherzter Entschlossenheit, dabei großzügig und aufgeschlossen allem gegenüber, hat Rainer Heumann in vielen Projekten seine Energie gepflegt, speziell aber wohl als perfekter Pate vieler Grünschnäbel - "einsteigende Herausgeber und Redakteure oder Autoren, die er anstachelte und an die er glaubte. Jedoch nie ohne strenge Einschätzung, denn er haßte es, Zeit zu verschwenden", wußte Sabine Ibach. "Das Leben ist viel zu kurz, pflegte er zu sagen. Seines war es wirklich", fügte sie hinzu.

Beim großen Pressetreff vor seiner "Radek"-Lesung hatte Stephan Heym letztes Jahr im "Chemnitzer Hof" auch sichtlich gern auf Fragen zu seinem literarischen Agenten Rainer Heumann geantwortet: "Ich werde mir den Spaß machen und ihn heute abend aus Chemnitz anrufen. Gut, daß Sie mich erinnern," schmunzelte der Romancier. "Er hat ja auch seine Beziehungen zu Chemnitz. Vor vielen Jahren haben wir uns hier getroffen. Er ist einer der wenigen wirklichen persönlichen Freunde, die ich besitze," fügte er mit einem gewissen Nachdruck hinzu. "Wir sehen uns mindestens einmal im Jahr. Er vertritt mich auch gegenüber den Radio- und Fernsehstationen im In- und Ausland. Er macht eine Arbeit, die ein Schriftsteller haben muß, die er aber kaum selber machen kann."

Meine Frage nach dem seit Jahrzehnten in Zürich lebenden Chemnitzer hatte wohl Tilo Richter noch den letzten Anstoß gegeben, für sein jetzt vollendetes Lese- und Bilderbuch "Der Kaßberg" persönlichen Kontakt zu Rainer Heumann aufzunehmen und von ihm einen Beitrag zur respektablen Familienvita der Heumanns zu erbitten. Wie bewegt er noch von dieser Züricher Stunde mit Rainer Heumann war, hörte ich per Telefon sofort aus der Schweiz von Tilo und auch von der Zusage, für das neue Kaßberg-Buch exklusiv alsbald einen Beitrag zu schreiben. Die Vorfreude blieb kurz, denn diese Zusage mußte dann in den Wochen der Trauer um Rainer Heumann der jüngere, in den USA lebende Bruder Thomas - gleichfalls ein gebürtiger Chemnitzer - erfüllen. Zwei Tage nach jenem Gespräch endete das Erdendasein des Rainer Heumann.

Eine literarische Agentur, um dies noch zu notieren, enthebt einen Schriftsteller (doch das ist es beileibe nicht allein) aller kommerziellen Kontakte zu den Verlagen, erübrigt manche Mühe zwischen Idee und Ertrag. Im Falle Stefan Heyms ermöglichte es Rainer Heumann, daß alle seine Bücher in der BRD erscheinen konnten, als dies in der DDR unmöglich war. Beiden Kaßbergsöhnen Dank!

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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